Versailles ist der Inbegriff der Pracht des SONNENKÖNIGS (Louis XIV.), der das ursprüngliche Jagdschloss seines Vorgängers Louis XIII. in die größte Königsresidenz Europas verwandelte. Sein heutiges Aussehen erhielt das Schloss im Jahr 1690, nach langen und komplexen Arbeiten unter der Leitung von Le Vau, Hardouin-Mansart und Le Nôtre, der sich um die großartigen Gartenanlagen kümmerte. 1682 ersetzte Versailles Paris als Hauptstadt des Königreichs, als Louis XIV. die Regierung hierher verlegte. Von diesem Jahr an bis zum 6. Oktober 1789 erlebte Versailles seine magische Zeit. Danach geriet das Schloss in einen Zustand der Verwahrlosung und es wurde mehrmals geplündert und vieler seiner Kunstwerke beraubt. 1837 schließlich wurde es von Luigi Filippo restauriert, der aus ihm ein Museum der Französischen Geschichte machte. 1875 wurde hier die Republik ausgerufen und 1919 wurde hier der Friedensvertrag mit Deutschland unterzeichnet. Von der Place d'Armes genießt man einen herrlichen Blick auf den großartigen Palast mit seinen drei aufeinander folgenden Höfen: der erste, genannt Cour des Ministres, an dessen Ende die Reiterstatue von Louis XIV. steht; der zweite, genannt Cour Royale, zu dem die Kutschen der königlichen Familie Zufahrt hatten; und der letzte, genannt Cour de Marbre, der vom ersten Kern des Schlosses von Louis XIII. umgeben wird. Die West-Fassade des Palastes ist die berühmteste und zweifellos auch die schönste. Sie erstreckt sich entlang einer 580 m langen Frontseite, mit den harmonischen Gärten, die sich vor ihr öffnen. Architekt Le Vau ist der zentrale Körper zu verdanken, während die beiden Flügel, die einen harmonischen und eleganten Eindruck erschaffen, von Hardouin-Mansart stammen. Der zentrale Körper und die beiden Flügel waren für die Familie des Königs und die königlichen Prinzen bestimmt. Von der Cour Royale hat man über den Flügel Louis XV. Zutritt zum Palastinneren. Hier hat auch das historische Museum seinen Sitz, dessen elf Säle die Epochen von Louis XIII. und Louis XIV. veranschaulichen. Von hier gelangt man in die Opéra Royale (Königliche Oper), die Gabriel 1770 für die Hochzeit von Louis XVI. mit Marie-Antoinette entworfen hatte. Besondere Aufmerksamkeit im zweiten Stock verdient die Chappelle Royale (Königliche Kapelle), die nach einem Entwurf von Hardouin-Mansart von 1698 bis 1710 gebaut wurde. Ebenfalls in diesem Stockwerk kann man die sechs Salons der "Grands Appartements" des Königs bewundern, wo der König den Hof drei Mal die Woche von sechs bis zehn Uhr abends zu empfangen pflegte, und außerdem das Appartement des Königs, mit dem Chambre du Roi (Schlafzimmer des Königs), in dem Louis XIV. 1715 starb, und die "Grands Appartements" der Königin. Der prachtvollste Saal des Palastes ist sicherlich die Galerie des Glaces (Spiegelsaal), zu dem man über den Salon de la Guerre (Kriegssaal) Zutritt hat. Der Spiegelsaal, Meisterwerk von Hardouin-Mansart, der ihn 1678 bauen ließ, ist 75 m lang und 10 m breit; sein Gewölbe verzierte Le Brun mit Gemälden, die die französischen Siege veranschaulichen. Die Gartenanlagen von Versailles gelten aufgrund ihrer Eleganz, die nie übertrieben und doch stets reich an künstlerischen Einfällen und spektakulären Ideen ist, zu Recht als der Prototyp des "Französischen Gartens". Sie wurden von 1661 bis 1668 von Le Nôtre entworfen und nehmen eine Fläche von 100 Hektar ein. Sie sind ein integrierender Bestandteil und notwendiges Komplement des Schlosses. Nachdem man die mittlere Terrasse herabgestiegen ist, trifft man auf das Meisterwerk von Marsky, das Bassin von Latona, mit den Abbildungen der Göttin und ihrer Kinder Diana und Apollo; Apollo thront auf den konzentrischen Becken, die pyramidenförmig ansteigen. An diesem Brunnen beginnt die lange Allee, die Tapis-Vert genannt wird und zum großen Bassin d'Apollon (Becken von Apollo) führt. Hier hat Tuby den so genannten Sonnenwagen Apollos geschaffen, der von vier Pferden gezogen gebieterisch aus dem Wasser steigt, während die Tritonen in ihre Muscheln blasen, um die Ankunft des Gottes anzukündigen. Die große Grünfläche, die sich hinter dieser Skulpturen-Gruppe erstreckt, wird durchquert von dem fast 2 km langen Grand Canal (großer Kanal), der ungefähr an der Hälfte von dem Petit Canal (kleiner Kanal) gekreuzt wird. Vom kleinen Kanal hat man Zugang zum Petit Trianon und zum Grand Trianon; ersteres wurde auf Wunsch von Marie-Antoinette gebaut und das andere ließ Louis XIV. für seine zahlreichen "Affären" errichten. Beim Weitergehen durch einen Park mit jahrhundertealten Bäumen erreicht man den Hameau de la Reine (der Weiler der Königin), ein regelrechtes ländliches Disneyland. Für die Besichtigung des großen Parks ist es empfehlenswert, Fahrräder zu mieten, die berühmten "Bicyclettes de Versailles"; sie finden sich auf beiden Seiten des Apollo-Bassins. Man darf Versailles jedoch nicht verlassen, ohne die Orangerie besucht zu haben, das größte und spektakulärste Gewächshaus Europas.